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INQ News Nachgefragt Dominic Gorecky

Smart Factory: Der grosse Digitalisierungsschub steht uns noch bevor

Die «Smart Factory» ist kein Traum mehr, sondern wird langsam Realität – und das wird auch auf der INNOTEQ.DIGITAL vom 19. – 20. Mai 2021 zu sehen und zu hören sein, wo die Smart Factory eines von vier Schwerpunktthemen ist. Wir haben bei Dominic Gorecky, Leiter Swiss Smart Factory, Switzerland Innovation Park Biel/Bienne, nachgefragt, wie er den Stand der Entwicklung einschätzt.

 

Was genau ist «Smart» an der Smart Factory?
Eine «Smart Factory» ist eine ganzheitlich vernetzte Produktionsumgebung, die auf neusten technologischen Standards basiert. Auf dieser Basis lassen sich zahlreiche Aspekte der Produktion «cleverer» lösen als zuvor. So können dank durchgängig digitalisierter Fertigungsprozesse relevante Kennzahlen jederzeit transparent erfasst und zur kontinuierlichen Optimierung genutzt werden. Das schont Ressourcen und ist nachhaltig. «Smart» ist auch die Fähigkeit kosteneffizient in geringen Stückzahlen bis hin zu Losgrösse 1 zu fertigen, oder die Produktion dank hochgradiger Modularität innerhalb kürzester Zeit auf neue Produkt- und Markt-Anforderungen anzupassen. Ebenfalls «Smart» nennen würde ich die neuen digitalen Methoden und Werkzeuge, die uns entlang des gesamten Lebenszyklus von Fabriken und Produkten zur Verfügung stehen: Der Digitale Zwilling erlaubt es, physische Prozesse zunächst virtuell zu simulieren. Mittels Remote-Technologie können ganze Anlagen bequem und sicher aus dem Wohnzimmer aus in Betrieb genommen werden. Das sind nur ein paar Beispiele, die zeigen sollen, was alles in der «Smart Factory» steckt.

 

Warum sollen Firmen sich jetzt mit dem Thema «Smart Factory» auseinandersetzen?
Wenn wir mit Unternehmen sprechen, warum sie eine «Smart Factory» anstreben, wird als Hauptgrund der Wunsch genannt, wesentlich effizienter als früher zu produzieren. Tatsächlich steckt dahinter vielmehr der Zwang, die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Niedriglohnländern zu erhalten. Eine Herausforderung, die wohl die meisten produzierenden Unternehmen am Werkplatz Schweiz betrifft. Konkret gefragt werden dabei Konzepte zur Vernetzung und Digitalisierung von Produktionsprozessen oder auch die Einführung von flexiblen Automatisierungslösungen, bei denen Mensch und Maschinen in optimaler Ergänzung ihre Stärken ausspielen. Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass smarte Automatisierung den Werkplatz Schweiz stärkt und somit zum Erhalt von Arbeitsplätzen beiträgt. Gerade die Corona-Krise zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig in eine smarte Fabrik zu investieren. Unternehmen, die bereits vor Jahren konsequent auf flexible Automatisierung und digitale Prozesse gesetzt haben, kommen aktuell besser durch die Krise als solche, die erst jetzt damit anfangen.

 

Welchen Beitrag leistet die neue Smart Factory in Biel für die Zukunft der MEM-Industrie?
Ab diesem Frühjahr zeigen wir am neuen Standort des Switzerland Innovation Park Biel/Bienne, was zusammen mit mehr als 50 Partner-Unternehmen in den letzten beiden Jahren aufgebaut wurde. Ich bin sicher, dass sich dort selbst für digitale Pioniere unter den KMUs noch die eine oder andere Inspiration finden lässt, denn die «Smart Factory» ist kein starres Gebilde mit einem eindeutig definierten Ziel, sondern entwickelt sich stetig mit den neuen gesellschaftlichen Anforderungen und technologischen Möglichkeiten weiter. Und ich bin sicher, dass uns der grosse Digitalisierungsschub noch bevorsteht.

 

Zur Person
Dominic Gorecky ist Leiter der Swiss Smart Factory. Diese erarbeitet seit 2017 am Switzerland Innovation Park Biel/Bienne relevante Forschungs- und Innovationsthemen rund um das Thema Industrie 4.0.

 

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